Alternative Facts – Folge 2

Was macht eigentlich inzwischen Kellyanne Conway?

ConwayHat Sie genug von der großen Aufmerksamkeit der Weltbühne und berät jetzt die Juragruppe anstelle von Trump? Dies könnte eine Erklärung sein für die alternativen Fakten, mit denen unser liebster Wasserversorger die Stilllegung unserer Leupser Quellen – immer wieder kreativ, immer wieder anders – begründet hat.
Die Juragruppe redet ja nicht mit uns, daher stammen alle diese Fakten aus der Presse – und was da schwarz auf weiss in der Zeitung steht, muss ja wahr sein … oder doch alles nur fake news?

heute nun Folge 2: Die Quellschüttung ist schuld! … oder doch nicht?

1996 war die Welt noch in Ordnung, am 29.02. durften wir in der Zeitung lesen:
„Er (Hans Hümmer) führte (im Stadtrat) weiter aus, daß die Leupser Anlage im Rahmen der Juragruppe saniert werden soll. Auf die Frage, ob das Wasser auch bei weiterer Bautätigkeit ausreichend sei, antwortete Hümmer, daß er aufgrund der ihm bekannten Quellschüttung keine Probleme sehe.“

Das blieb so stehen (unsere Wasserversorgungsanlage übrigens auch – ohne Sanierung), bis die Juragruppe vor Gericht gegen den Landwirt (die Verkörperung des BÖSEN, siehe auch Teil 1) verloren hat und man ja zunächst argumentierte, daß jetzt zu wenig Wasser abgenommen werden würde, erst am 11. Dezember 2017 teilte man dem Kurier mit:
Die Wassermenge des Leupser Brunnens ging zurück. Wie bei allen oberflächennahen Quellen“, sagt Hümmer.“
Macht ja nix, könnte man denken, wegen dem bösen Landwirt wird ja jetzt auch weniger verbraucht – oder wie war das doch gleich? Im gleichen Atemzug aber sagt der Werkleiter der Juragruppe auch:
Aber die Mengen seien für die Frage der Leupser Eigenversorgung nur zweitrangig. Denn dort darf nur soviel entnommen werden, wie es das Wasserrecht erlaubt. Die Genehmigung stammt von 1956 und dort steht eine Höchstmenge von 36 Kubikmeter am Tag, das entspricht 26 Litern in der Minute.
Also alles gut? Mitnichten, zu früh gefreut, liebe Leupser, da kommt gleich noch ein zweites Aber hinterher:
„Aber in der Spitze brauchen wir mehr“, sagt Hümmer und nach der Spitze richtet sich das, was geplant wird.“
Echt jetzt? Da ist es wieder, das Pipilotta-Prinzip – und überhaupt, wurde der Hans Hümmer hier überhaupt richtig zitiert? Man lese den – von der Juragruppe veröffentlichten – Wasserrechtsbescheid und staune:
Auszug_1956Da muss doch der kritische und unparteiische Reporter was falsch verstanden haben … oder der Hans Hümmer?
Jedenfalls wurde der Verbrauch damals mit 36, irgendwas Litern angenommen und KEINE Höchstmenge festgelegt – die Menge war aber auch damals schon mehr als ausreichend. Aber irgendwas mit 36 steht im Wasserrechtsbeschluss, da hat der Hans Hümmer schon recht!

Und für Spitzenverbräuche wäre da ja auch noch der Hochbehälter …
Aber auch dazu hat ja die Juragruppe ein klares Statement abgegeben, im Kurier am 05.12.2017:
Die Bewohner von Leups einschließlich einer Brauerei verbrauchen derzeit 7000 Kubikmeter Wasser pro Jahr.

Ein weiteres Problem sei die geringe Quellschüttung mit teilweise nur rund 60 Kubikmetern pro Tag. Das könne zu Engpässen führen.

Da das Wasserrecht lediglich die Entnahme von 0,43 Liter pro Sekunde erlaube, dauere es fast drei Tage, ehe der Behälter wieder befüllt ist – vorausgesetzt, es werde derweil kein Wasser entnommen. „Was in der Praxis nicht möglich ist“, sagte Hümmer.
Also nochmal rechnen: 7000 m3 im Jahr : 365 = 19,17m3/Tag.
Wieso sind denn dann „teilweise nur 60 Kubikmeter pro Tag“ Quellschüttung ein Problem? Und: schon da hat der objektive, kritische Journalist wohl was falsch verstanden, der Hans Hümmer kann das ja nicht zweimal falsch dargelegt haben mit der Entnahmebegrenzung im Wasserrechtsbeschluss – oder doch? Schließlich steht´s ja in der Zeitung …

Für die kleinen Mathefüchse unter uns:
Wie lange braucht nochmal ein 100m3 großer Hochbehälter zur Komplettfüllung (wenn er denn wirklich mal ganz leer wäre), wenn die Quelle 60m3 am Tag schüttet und die Ortschaft 19,17 m3/Tag braucht?
Das ist jetzt gar nicht so einfach, aber der kleine Sparkassenfachangestellte rechnet vor: 60 Schüttung -17,4 Verbrauch = 42,6 m3 „übrig“
100 : 42,6 = 2,35 Tage bei normalem Verbrauch – stimmt, das sind ja fast drei 🙂

Aber HALT! Das stimmt ja gar nicht mit den 7.000 m3 im Jahr, denn im SELBEM Artikel lesen wir:
Hümmer beweist anhand der Statistik, dass in den Jahren von 2002 bis 2006 der Jahresverbrauch im Durchschnitt bei 11.191 Kubikmetern lag. In den Jahren von 2013 bis 2017 betrug der Verbrauch im Schnitt 11.789 Kubikmeter.
Die von der Juragruppe veröffentlichten Statistiken haben wir uns angeschaut, dort steht der mittlere Verbrauch der Jahre 2006 – 2016, ist also schwierig, damit was für die Jahre 2002-2006 zu beweisen – aber das war bestimmt eine andere Statistik, die der kritische und unparteiische Journalist hier ja wohl sorgfältig geprüft hat, ehe er solche Sätze veröffentlicht.
Jedenfalls – mit ein klein wenig Addition und Division kommt da ein durchschnittlicher Verbrauch von 30,18m3/Tag raus, bei diesen Statistiken, jetzt üben wir uns noch ein bißchen in Multiplikation und schon kommen wir bei 365 Tagen im Jahr auf rund 11.017m3 im Jahr.
Wie jetzt? Weiter oben stand doch 7.000m3, und zwar schwarz auf weiss?

Die Differenz klärt sich durch den enormen Weitblick des Juragruppen-Werkleiters:
Hinzu komme, dass sich ein Landwirt laut einem Gerichtsurteil vom Benutzerzwang befreien lassen könne. „Dies bedeutet, dass der Verbrauch in Leups im Durchschnitt auf zirka 7000 Kubikmeter fallen wird.“
Ja das konnte ja keiner ahnen, dass der Hans Hümmer hellseherische Fähigkeiten hat, kein Wunder, daß der kritische und objektive Berichterstatter das irgendwie durcheinander gebracht haben muss … und außerdem ist ja der Landwirt schuld, sieh auch Teil 1, Punkt! … oder?

… und dann war da noch die aktuelle Aufregung um die Löschwasserversorgung, weil die Leupser Quelle angeblich so dramatisch viel weniger schüttet, in den Nordbayerischen Nachrichten vom 02.08.2018 war zu lesen:
„Die Quellschüttung ist laut Juragruppe seit dem Frühjahr kontinuierlich zurückgegangen: Von 1,42 Litern pro Sekunde im April auf 1,25 im Mai 2018. Im Juni waren es nach Messungen des Wasserversorgers noch 1,06 Liter und im Juli nur mehr 0,80 Liter pro Sekunde. „Bei den zurzeit stattfindenden zweitägigen Quellmessungen ist festzustellen, dass sich das Mengendargebot bei diesem Messrhythmus um jeweils zirka 0,02 Liter pro Sekunde verringert“, so Hümmer und Zweckverbandsvorsitzender Manfred Thümmler in einer gemeinsam unterzeichneten Erklärung. Die Messung am 30. Juli habe nur noch 0,76 Liter und die am 1. August noch 0,74 Liter pro Sekunde ergeben.“
Wir gratulieren der Juragruppe an dieser Stelle zum neu erwachtem Verantwortungsbewusstsein und wundern uns, warum die Öffentlichkeit erst 2018 über diesen Umstand informiert wurde.
Im Jahre 2015 hätte die Meldung z. B. gelautet:
Die Quellschüttung ist seit dem Frühjahr kontinuierlich zurückgegangen.
Von 1,25 Litern pro Sekunde im April auf 1,11 im Juni, im August waren es nur noch 0,83 Liter … und so weiter und so fort. Der geneigte Leser nehme sich die Quellschüttungs-Statistik (nach Zahlen der Juragruppe) und suche sich irgendein Jahr aus, der Vorgang ist derselbe, nur die Zahlen sind andere. Scheint also ein ganz normaler Vorgang zu sein, dass unsere Quelle nun mal im Sommer weniger schüttet als im Winter.
Sie hat auch schon weniger geschüttet als in der derzeitigen Dürreperiode, da wurde allerdings niemand alarmiert … schon komisch, oder?

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